Geschäftsbericht

Weltweite Automobilkonjunktur entwickelt sich besser als erwartet

Im Jahr 2010 stiegen die weltweiten Pkw-Verkäufe um 11,4 % auf 58,7 Mio. Fahrzeuge. Mit dem zweitbesten Absatzvolumen aller Zeiten verfehlte die Branche das Rekordniveau aus dem Vorkrisenjahr 2007 nur knapp. Die Region Asien-Pazifik erwies sich als wichtigster Wachstumsträger, vor allem weil sich die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in China überdurchschnittlich stark erhöhte. Auch Nord- und Südamerika verzeichneten eine deutlich höhere Nachfrage als im Vorjahr. Der Absatz von Neuwagen auf dem europäischen Markt ging hingegen zurück. Die Region Zentral- und Osteuropa verbuchte zwar – vor allem wegen des hohen Wachstums in Russland – einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen, Westeuropa verfehlte jedoch das Vorjahresergebnis deutlich. Grund ist hier unter anderem der starke Rückgang der Pkw-Nachfrage in Deutschland nach Auslaufen der Umweltprämie. Der südafrikanische Automobilmarkt legte erstmals nach drei Jahren mit rückläufigem Wachstum wieder zu.

Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Die etablierten Märkte waren 2010 stark von den Konjunkturprogrammen der Regierungen beeinflusst. Die Verschiebung der Nachfrage hin zu Kleinfahrzeugen, die diese Programme zur Folge hatten, wurde mit Auslaufen der Prämien wieder aufgehoben. Nachholkäufe wegen verzögerter Kaufentscheidungen trugen dazu bei, dass der Volkswagen Konzern seinen Absatz steigerte und Marktanteile gewann. Staatliche Fördermaßnahmen reduzierten das Risiko größerer Einbrüche in Einzelmärkten deutlich. Die Abschwächung des Euro im Jahr 2010 verbesserte die Chancen für Exporte in Länder außerhalb des Euroraums. Immer wichtiger für die Automobilbranche werden die konsequente Bearbeitung der großen Märkte China und Brasilien, der Ausbau der Aktivitäten in Indien und die Befriedigung der wieder steigenden Nachfrage in Russland.

In Asien, Afrika und Lateinamerika zeichnet sich eine weitere Erleichterung des Freihandels ab. Durch aktives Risikomanagement der Hersteller und des Handels sowie enge Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern ließen sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise gut bewältigen.

AUSLIEFERUNGEN DES VOLKSWAGEN KONZERNS NACH MONATEN
in Tsd. Fahrzeuge
Auslieferungen des Volkswagen Konzerns nach Monaten (Liniendiagramm)

Nordamerika

Auf dem nordamerikanischen Markt lag die Nachfrage nach Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (bis 6,35 t) im Geschäftsjahr 2010 um 10,4 % über der des Vorjahres, in dem das Kaufinteresse allerdings sehr gering gewesen war. Vor allem die konjunkturelle Erholung in den USA belebte die Automobilnachfrage. Zuwächse gegenüber 2009 verbuchte die Automobilbranche auf dem US-Markt sowohl bei den Pkw-Verkäufen (+5,2 % auf 6,0 Mio. Einheiten) als auch bei leichten Nutzfahrzeugen (+18,2 % auf 5,6 Mio. Einheiten). Dennoch verzeichneten die Neuzulassungen den zweitschlechtesten Wert der vergangenen 28 Jahre. In Kanada stieg das Absatzvolumen im Berichtsjahr um 6,6 % auf 1,6 Mio. Fahrzeuge. Auch auf dem mexikanischen Markt erhöhten sich die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr, und zwar um 8,7 % auf 0,8 Mio. Einheiten.

Südamerika

Auf den südamerikanischen Automobilmärkten stiegen 2010 die Fahrzeugverkäufe gegenüber dem Vorjahr und übertrafen damit sogar den bisherigen Rekordstand aus dem Jahr 2008. Auch der Absatz in Brasilien erreichte 2010 einen neuen Höchstwert. Hauptgrund für diese positive Entwicklung war das staatliche Konjunkturprogramm, das den Anstieg der Neuzulassungen um 10,6 % auf 3,3 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge begünstigte. Die brasilianischen Fahrzeugexporte verzeichneten mit 767 Tsd. Einheiten (+61,4 %) erstmals seit 2005 wieder einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Der argentinische Pkw-Markt profitierte ebenfalls von der guten Automobilkonjunktur in Südamerika: Die Pkw-Verkäufe legten hier im Berichtsjahr deutlich zu und übertrafen mit 483 Tsd. Fahrzeugen (+27,6 %) das Rekordniveau des Jahres 2008.

Asien-Pazifik

Die mit Abstand größte Wachstumsdynamik verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr die Region Asien-Pazifik. Dabei erzielte der chinesische Pkw-Markt im neunten Jahr in Folge den weltweit höchsten absoluten Absatzzuwachs. Mit einem Anstieg von 3,0 Mio. auf 11,5 Mio. Fahrzeuge (+35,1 %) wurden erneut deutlich mehr Pkw neu zugelassen als im Vorjahr. Der Absatz im Inland profitierte vor allem von staatlicher Förderung. In Japan lagen die Pkw-Neuzulassungen im Berichtsjahr mit 4,2 Mio. Fahrzeugen um 7,4 % über dem sehr niedrigen Vorjahresniveau. Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre ist somit gestoppt. Steuervergünstigungen und Umweltprämien stützten bis September 2010 das japanische Neuwagengeschäft. Der indische Pkw-Markt verbuchte im Berichtsjahr hohe zweistellige Wachstumsraten: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Verkäufe um 29,8 % auf 2,2 Mio. Einheiten. Das gestiegene Einkommensniveau und ein erweitertes Modellangebot – vor allem im Mini- und Kleinwagensegment – begünstigten den Aufschwung.

Europa/Übrige Märkte

In Westeuropa war die Pkw-Nachfrage im Berichtsjahr wie erwartet rückläufig; sie reduzierte sich um 5,1 % auf 13,0 Mio. Fahrzeuge. Für die starken Rückgänge, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, waren hauptsächlich die inzwischen ausgelaufenen staatlichen Konjunkturprogramme verantwortlich. Sie hatten im Jahr 2009 in den meisten westeuropäischen Ländern die Kunden zu vorgezogenen Käufen motiviert. Von den volumenstarken Märkten erzielten nur Großbritannien (+1,8 %) und Spanien (+3,0 %) noch leichte Zuwächse; Einbußen musste die Branche hingegen in Frankreich (–2,6 %), Italien (–9,2 %) und vor allem in Deutschland (–23,4 %) hinnehmen. Der Marktanteil der Dieselfahrzeuge in Westeuropa stieg 2010 im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich an, lag aber mit rund 52,0 (46,0) % noch unter dem bisherigen Höchststand von 2007 (53,3 %).

In der Region Zentral- und Osteuropa haben sich die Pkw-Neuzulassungen im Berichtsjahr nur leicht von dem starken Nachfrageeinbruch 2009 erholt; der Gesamtmarkt wuchs zwar, doch fast ausschließlich dank des erstarkten russischen Automobilmarktes. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhten sich die Pkw-Verkäufe hier um 29,0 % auf 1,8 Mio. Einheiten. Der Anstieg ist vor allem auf ein laufendes Förderprogramm der Regierung zurückzuführen, das Zuschüsse und Kreditvergünstigungen beim Kauf eines in Russland hergestellten Neuwagens vorsieht. In den zentraleuropäischen EU-Staaten wurden im Berichtsjahr insgesamt weniger Pkw abgesetzt als 2009. Rückgänge verzeichneten die Märkte Ungarn (–32,4 %), Rumänien (–17,0 %) und Slowakei (–14,3 %), Zuwächse dagegen Polen (+1,8 %) und die Tschechische Republik (+0,7 %). In der Türkei übertrafen die Pkw-Verkäufe den Vorjahreswert um 37,8 %.

Mit einem Zuwachs von 29,8 % auf 335 Tsd. Einheiten stieg die Pkw-Nachfrage auf dem südafrikanischen Markt erstmals seit vier Jahren wieder an, unter anderem aufgrund verbesserter Finanzierungsbedingungen.

Deutschland

Im Geschäftsjahr 2010 sanken die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland um 23,4 % auf 2,9 Mio. Fahrzeuge. Hauptursache für diesen starken Rückgang auf das niedrigste Gesamtmarktniveau seit der deutschen Wiedervereinigung waren Vorzieheffekte, die aus der 2009 gewährten Umweltprämie resultierten. Der deutsche Nutzfahrzeugmarkt konnte sich dagegen erholen: Mit 282 Tsd. neu zugelassenen Fahrzeugen wurde das schwache Vorjahresergebnis um 16,5 % übertroffen. Der Absatz von Lkw bis zu einem Gesamtgewicht von 6 t nahm um 16,3 % auf 197 Tsd. Einheiten zu. Vor allem dank der starken Nachfrage aus dem Ausland steigerten deutsche Hersteller in ihren Inlandswerken die Produktion von Pkw und Nutzfahrzeugen um 13,4 % auf 5,9 Mio. Einheiten; auch die Exporte erhöhten sich deshalb überdurchschnittlich um 25,0 % auf 4,5 Mio. Fahrzeuge.

DEUTLICHE NACHFRAGEBELEBUNG BEI SCHWEREN LKW

Nachdem die Verkaufszahlen im Krisenjahr 2009 stark eingebrochen waren, nahm die Nachfrage nach schweren Lkw mit einem Gesamtgewicht von über 15 t im abgelaufenen Geschäftsjahr – mit unterschiedlicher Dynamik – in allen Regionen der Welt zu. Während die großen Absatzmärkte China, Indien und Brasilien sogar neue Rekordzahlen meldeten, blieben die Märkte in Westeuropa, den USA und Japan noch deutlich unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. Die weltweiten Verkäufe stiegen um 51,0 % auf insgesamt 1,8 Mio. Fahrzeuge.

In den USA konnte zwar der seit 2007 andauernde Marktrückgang gestoppt werden, der Anstieg um 13,0 % auf 107 Tsd. Einheiten gegenüber dem historisch schwachen Vorjahresniveau bedeutet jedoch noch keine durchgreifende Erholung.

Auf dem brasilianischen Markt trieben 2010 die gestiegene Investitionstätigkeit sowie die Förderprogramme der Regierung den Absatz um 52,2 % auf 102 Tsd. Fahrzeuge.

In China setzte sich das starke Wachstum der vergangenen Jahre unvermindert fort. Mit einem Anstieg um 68,6 % auf 1,0 Mio. Einheiten entfiel mehr als die Hälfte des weltweiten Absatzes von schweren Lkw auf China. In Indien, dem mittlerweile zweitgrößten Markt der Welt für schwere Lkw, nahmen die Verkäufe aufgrund der anziehenden Industrieproduktion um 96,7 % auf 173 Tsd. Fahrzeuge zu. In Japan sorgten staatliche Anreize für einen Anstieg der Neuzulassungen um 33,2 % auf 25 Tsd. Einheiten.

In Westeuropa legte die Nachfrage nach schweren Lkw gegenüber dem schwachen Vorjahresniveau wieder zu: Die Neuzulassungen stiegen 2010 um 0,9 % auf 153 Tsd. Fahrzeuge. In Zentral- und Osteuropa erhöhte sich der Absatz, ausgehend von einem äußerst geringen Vorjahreswert, um 17,8 % auf 69 Tsd. Einheiten.

NACHFRAGE NACH FINANZDIENSTLEISTUNGEN

Die Nachfrage nach automobilbezogenen Finanzdienstleistungen entwickelte sich im Berichtsjahr auf den einzelnen Märkten der Welt uneinheitlich. Die Entwicklung in den Schwellenmärkten bietet den automobilen Finanzdienstleistungen hervorragende Wachstumschancen. Die positive Marktentwicklung in China unterstreicht diese Perspektive. Bei gegenwärtig nur etwa 10 % kreditfinanzierten Fahrzeugkäufen existiert Potenzial, um Neukunden für automobile Finanzdienstleistungen zu gewinnen.

In den USA wuchs der Markt für Finanzdienstleistungen durch die steigende Nachfrage nach Leasing- und Kreditangeboten, bei Gebrauchtwagen war eine Erholung der Restwerte zu beobachten. In Brasilien ist der Markt für Finanzdienstleistungen gut entwickelt. Im Jahr 2010 führten darüber hinaus Steuervergünstigungen, vor allem durch das im Juli 2010 neu aufgelegte Förderprogramm der Nationalbank für Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung, zu einem höheren Geschäftsvolumen. In Mexiko hingegen war die Entwicklung der Fahrzeugfinanzierungen insgesamt rückläufig. Viele herstellergebundene Finanzdienstleister verzeichneten einen Rückgang ihrer Penetrationsraten.

Ein anhaltendes Wachstum der Nachfrage nach Finanzdienstleistungen ist in Indien zu erwarten. In Japan konnten vermehrt neue Finanzdienstleistungsprodukte verkauft werden.

In Europa entwickelte sich die Nachfrage nach automobilen Finanzdienstleistungen trotz auslaufender staatlicher Konjunkturprogramme im Jahr 2010 außerordentlich positiv. Dies ist insbesondere auf den Nachholbedarf im gewerblichen Segment zurückzuführen.

Nachdem im Jahr 2009 in Deutschland die Umweltprämie zu einer Sonderkonjunktur im Automobilabsatz und entsprechend in der Fahrzeugfinanzierung geführt hatte, war die Privatkundennachfrage im Jahr 2010 insgesamt rückläufig. Dagegen konnten die automobilen Finanzdienstleister von der im Jahresverlauf zunehmenden Erholung im gewerblichen Geschäft profitieren. Die Leasingbranche verzeichnete 2010 in Deutschland wieder ein Wachstum. Neben der positiven Entwicklung des Nutzfahrzeugleasings trug insbesondere das gestiegene Volumen im Pkw-Leasing dazu bei.

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