Geschäftsbericht

Beschaffung

Mit der Erholung der Weltwirtschaft im Berichtsjahr ergaben sich für die Mitarbeiter der Beschaffung neue Herausforderungen: unter anderem galt es, Strategien zu entwickeln, um den gestiegenen Rohstoffpreisen entgegenzuwirken. Darüber hinaus musste das Lieferanten- und Kaufteilemanagement – unter Einhaltung unserer Nachhaltigkeitsgrundsätze – an die veränderte Situation angepasst werden. Wie schon in den Vorjahren nahmen die Erschließung neuer Märkte und die kontinuierliche Optimierung der Prozesse breiten Raum in den Aktivitäten der Beschaffung ein.

Beschaffungsstrategie

Die Beschaffung hat aus der Konzernstrategie 2018 vier Ziele für sich abgeleitet: erstens eine marktkonforme Top-Qualität und Innovationen zu wettbewerbsfähigen Preisen sicherzustellen; zweitens die Kostenziele einzuhalten und die Wirtschaftlichkeit unserer Produkte über die gesamte Laufzeit zu gewährleisten; drittens das globale Volumenwachstum durch eine ständige Verfügbarkeit und gleichbleibend hohe Qualität der Kaufteile abzusichern sowie viertens die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Attraktivität der Beschaffung auf einem konstant hohen Niveau zu halten.

Für jedes dieser Ziele haben wir Handlungsfelder bestimmt und insgesamt 24 Programme mit genau definierten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten für alle Marken und Regionen festgelegt. Mithilfe eines jährlichen Soll-Ist-Vergleichs können wir nun die Programme und damit auch unsere Strategie an die jeweiligen Rahmenbedingungen der Beschaffung anpassen.

Versorgungssituation bei Kaufteilen und Rohmaterialien

Während im Jahr 2009 die Förderprogramme vieler Regierungen dafür gesorgt hatten, dass sich der Absatz von Fahrzeugen in den unteren Segmenten erhöhte, stieg 2010 die Nachfrage nach Fahrzeugen aus den oberen Segmenten mit hochwertiger Ausstattung. Der Beschaffung gelang es, den damit verbundenen erhöhten und veränderten Materialbedarf zu bedienen und alle Komponenten- und Fahrzeugwerke mit Kaufteilen zu versorgen. Das galt insbesondere für unsere chinesischen Produktionsstätten, die eine stark steigende Nachfrage zu befriedigen hatten. Entscheidend für diese reibungslose Anpassung waren die stetigen Prozessverbesserungen, vor allem beim Kapazitäts-, Bedarfs- und Kaufteilemanagement, sowie die immer engere Vernetzung aller beteiligten Geschäftsbereiche.

Die Rohstoffmärkte haben sich im Berichtsjahr im Gleichschritt mit der Weltwirtschaft entwickelt. Die Spotmärkte verzeichneten starke Preissteigerungen, beeinflusst durch eine wachsende Nachfrage, durch Spekulationen auf börsennotierte Rohstoffe und ein geändertes Preissystem für Eisenerz. Dadurch blieb die Preissituation auf den internationalen Stahlmärkten weiterhin angespannt. Bei allen Rohstoffen waren stark schwankende Preise zu beobachten.

Volkswagen hat schon frühzeitig damit begonnen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, und ist diesen Weg auch 2010 weitergegangen. Ausgehend von der weltweit geltenden Beschaffungsstrategie war unser Schwerpunkt die strategische Ausrichtung des Lieferantenportfolios. Vor allem unsere lokalen Gesellschaften in China, Indien, Russland und den USA haben wir eng in diesen Prozess eingebunden.

Darüber hinaus arbeiten wir intensiv daran, sowohl den Materialeinsatz zu reduzieren als auch den Materialnutzungsgrad zu erhöhen – beispielsweise durch die konsequente Weiterentwicklung unserer Leichtbaustrategien oder indem wir Werkstoffe durch Materialien ersetzen, die für die jeweiligen Anwendungen optimiert wurden.

Qualitätssicherung durch Kaufteile- und Lieferantenmanagement

Das 2007 eingeführte Kaufteilemanagement haben wir angesichts der gestiegenen Anzahl von Fahrzeugneuanläufen und der zunehmenden Komplexität der Lieferantenmärkte im Berichtsjahr weiter intensiviert. Werkzeug- und Prozessexperten aus den Bereichen Beschaffung und Qualitätssicherung arbeiten Hand in Hand daran, dass die Produktion neuer Fahrzeugmodelle erfolgreich anläuft und die anschließende Serienproduktion störungsfrei verläuft. Inzwischen ist das Kaufteilemanagement auch in den internationalen Märkten und Regionen ein fester Bestandteil unserer lokalen Organisationsstrukturen. Die Grundidee beim Kaufteilemanagement ist, dass regionale Teams frühzeitig in die Planung des Produktionsanlaufs einbezogen werden, sodass Probleme und Engpässe kurz vor dem jeweiligen Produktionsstart minimiert werden. Darüber hinaus unterstützt das Kaufteilemanagement die Serienproduktion, beispielsweise bei Betriebsstörungen, Kapazitätsengpässen und Werkzeugverlagerungen. Unsere Experten koordinieren vor Ort – in enger Abstimmung mit den weltweiten Zulieferern – die notwendigen Werkzeug- und Prozessoptimierungen; dadurch wird die Ausschussquote minimiert und eine stabile Teileversorgung gewährleistet.

Im fachbereichsübergreifenden Programm „Qualität im Wachstum“ arbeitet die Beschaffung zusammen mit der Qualitätssicherung an der Qualifizierung der Lieferanten. Das Lieferantenmanagement ist wegen der steigenden Komplexität der Lieferantenstrukturen darauf ausgerichtet, bei der Auftragsvergabe für ausgewählte Bauteile nicht nur die liefernde Instanz zu betrachten, sondern auch die vorgelagerten Wertschöpfungsstufen einzubeziehen. In diesem Zusammenhang wird vor der Vergabe zukünftig die Sublieferantenkette stärker bewertet und dadurch Einfluss auf die Vergabeentscheidung ausgeübt.

Stärkere Lokalisierung durch die Erschließung neuer Märkte

Die neuen Fertigungsstandorte in Indien, Russland und den USA eröffnen der Konzern-Beschaffung zahlreiche Chancen. Zum einen können wir durch die Lokalisierung – die Nutzung lokaler Märkte für die lokale Fertigung – Kosten reduzieren. Zum anderen sind die örtlichen Lieferanten auch für unsere Produktionsstätten in anderen Regionen eine potenzielle Bezugsquelle. Mithilfe der sogenannten Tiefenlokalisierung erhöhen wir den Wertschöpfungsanteil von vor Ort bezogenen Bauteilen, indem wir frühzeitig günstige Bezugsquellen für Rohmaterialien in den jeweiligen Regionen suchen und nutzen und so die Materialkosten optimieren. Hier arbeitet die Beschaffung eng mit der technischen Entwicklung und der Qualitätssicherung zusammen und stimmt den jeweiligen Anteil der lokal beschafften Bauteile mit ihnen ab.

Das 2008 eingeführte C3-Sourcing-Programm (Cost-Competitive-Country-Sourcing) basiert auf den beiden oben genannten Strategien der Lokalisierung und Tiefenlokalisierung. Das Ziel des Programms ist, Kostenvorteile in wettbewerbsfähigen Beschaffungsmärkten für europäische Fahrzeugprojekte zu nutzen. Unter Wahrung der Qualitätsansprüche von Volkswagen ist es uns gelungen, die Synergien der lokalen Produktion für den Export von Komponenten zu realisieren beziehungsweise weiter auszubauen. Lieferanten werden dabei durch konzerneigene Regionalbüros sowohl bei der Tiefenlokalisierung im jeweiligen Land als auch beim Export ihrer Bauteile zu den Produktionsstandorten des Konzerns unterstützt. Das C3-Sourcing-Programm trägt maßgeblich dazu bei, sowohl die Zielkosten neuer Fahrzeugprojekte zum Start der Serienproduktion zu erreichen als auch Volkswagen auf einem Beschaffungsniveau zu halten, das weltweit wettbewerbsfähig ist.

Prozessoptimierungsprogramm in der Beschaffung

Das „Prozessoptimierungsprogramm Beschaffung“ ist ein wichtiger Baustein des Volkswagen-Weges und trägt dazu bei, die Ziele der Konzernstrategie 2018 zu erreichen. Im Zuge dieses Programms werden alle wichtigen Beschaffungsprozesse analysiert und, falls erforderlich, optimiert. Im vergangenen Jahr haben über 100 Mitarbeiter der Beschaffung in zahlreichen Workshops auf Basis ihrer langjährigen Erfahrung notwendige Prozessverbesserungen identifiziert. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen wurden anschließend auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft, bewertet und zur Entscheidung gebracht. So wurden zum Beispiel die Unterlagen im Rahmen der Forward- und Global-Sourcing-Prozesse auf den für eine Vergabe notwendigen Bedarf reduziert sowie klare Verantwortlichkeiten für die Erstellung definiert. Damit die verabschiedeten Maßnahmen dauerhaft eingesetzt werden, haben wir ein elektronisches Handbuch erstellt, in dem alle Prozesse eindeutig, detailliert und verbindlich beschrieben sind. Anschließend wurden alle Beschaffungsmitarbeiter in Qualifikationsveranstaltungen der Beschaffungsakademie umfassend über die Prozessoptimierungen informiert. Ende 2010 haben wir damit begonnen, das erfolgreiche Programm auf alle Marken und Regionen zu übertragen.

Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen

Die Integration des Nachhaltigkeitsleitbildes des Konzerns in die Lieferantenbeziehungen ist eine wichtige Aufgabe auf allen Ebenen des Bereichs Beschaffung: Wir übertragen dabei die Umwelt- und Sozialstandards im Sinne der Unternehmenspolitik auf das Lieferantenmanagement. Bereits 2006 haben wir mit externen wissenschaftlichen Experten ein Konzept entwickelt, um gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung zu übernehmen. Seit 2008 wurde das Konzept auf alle Marken und alle Regionen des Unternehmens ausgeweitet; seine Wirksamkeit wird kontinuierlich überprüft und bewertet. Die vier wesentlichen Konzeptbausteine sind: Nachhaltigkeitsanforderungen für Lieferanten, ein Früherkennungssystem zur Risikominimierung, Transparenz im Beschaffungsprozess sowie Lieferantenmonitoring und -entwicklung.

Bei der Schulung neuer Mitarbeiter in der Beschaffung liegt ein Hauptaugenmerk darauf, sie dafür zu sensibilisieren, Schwachstellen und Verbesserungspotenziale bei Lieferanten zu erkennen. Die Arbeit des internationalen „Beschaffungsnetzwerks Nachhaltigkeit“ trägt im Konzern dazu bei, das Konzept weltweit – trotz unterschiedlicher kultureller Voraussetzungen – umzusetzen. 2010 wurde im Anschluss an den Erfolg des Projekts zur Lieferantenqualifizierung im Vorjahr eine zweite Veranstaltungsreihe in Indien durchgeführt. Weitere Qualifizierungsprojekte fanden in Brasilien, Argentinien und bei Volkswagen de México statt.

Beschaffungsvolumen

Das Beschaffungsvolumen des Volkswagen Konzerns – einschließlich der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen – nahm im Berichtsjahr gegenüber 2009 um 26,8 % auf 89,7 Mrd. € zu. Der Anteil der Zulieferer in Deutschland belief sich auf 39,0 (41,9) %.

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BESCHAFFUNGSVOLUMEN NACH MARKEN UND MÄRKTEN

 

 

Mrd. €

 

2010

 

2009

 

%

Volkswagen Pkw

 

58,4

 

45,0

 

+29,8

Audi (inkl. Lamborghini)

 

17,0

 

14,3

 

+18,4

Škoda

 

5,1

 

4,2

 

+21,6

SEAT

 

2,9

 

2,7

 

+8,0

Bentley

 

0,3

 

0,2

 

+36,8

Volkswagen Nutzfahrzeuge

 

1,9

 

1,5

 

+26,4

Scania

 

4,1

 

2,8

 

+50,6

Volkswagen Konzern

 

89,7

 

70,7

 

+26,8

Europa/Übrige Märkte

 

59,2

 

49,4

 

+19,8

Nordamerika

 

4,2

 

3,2

 

+30,0

Südamerika

 

7,8

 

5,4

 

+44,2

Asien-Pazifik

 

18,5

 

12,7

 

+46,0

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