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Bell’arte.

Er schuf innerhalb von nur zwei Jahren drei automobile Ikonen: den Ur-Golf sowie die ersten Generationen des Passat und des Scirocco. Sein Unternehmen Italdesign arbeitet fast 40 Jahre lang eng mit Volkswagen zusammen – seit 2010 als neues Mitglied der Konzernfamilie. Ein Gespräch in der Wolfsburger Autostadt mit dem Ausnahmedesigner Giorgetto Giugiaro.

Der Ausnahmedesigner Giorgetto Giugiaro schuf innerhalb von nur zwei Jahren drei automobile Ikonen: den Ur-Golf sowie die ersten Generationen des Passat und des Scirocco. (Foto)

Herr Giugiaro, wie kam vor fast 40 Jahren die Zusammenarbeit mit Volkswagen zustande?

Die damals führenden Herren von Volkswagen gingen zusammen mit einer Reihe von Fachleuten und Journalisten über den Turiner Automobilsalon und wählten sechs Modelle aus, die ihnen besonders herausragend erschienen. Vier dieser Autos stammten von mir. Damit fing alles an.

Sie haben den Golf I entworfen, der 1974 Weltpremiere hatte. Haben Sie je einen besessen?

Aber natürlich. Volkswagen baute 1977 zwei Golf GTI als Spezialanfertigung mit noch stärkerem Motor, vier Türen und einer exklusiven Innenausstattung. Einen bekam ich, den anderen der Dirigent Herbert von Karajan, ein richtiger Autonarr. Ich habe den Golf in Turin als flotten und stadttauglichen Familienflitzer benutzt. Diese Autos waren damals unheimlich begehrt – so begehrt, dass mein GTI gestohlen wurde. Wir fanden ihn nach einiger Zeit aber wieder. Heute hat er seinen Ehrenplatz in unserem kleinen Museum.

Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit von Italdesign Giugiaro heute?

Italdesign ist eine Denk- und Entwicklungsfabrik. Im Zentrum stehen bei uns Ingenieurleistungen. Dank jahrzehntelanger Erfahrung kennen wir die komplexen Entwicklungsprozesse im Automobilbau ganz genau. So können wir schlüsselfertige Fahrzeugkonzepte abliefern, die sich in der Produktion eins zu eins umsetzen lassen. Es geht darum, aus der Form für die Außenhaut und für die Innenausstattung Baupläne für alle spezifischen Einzelteile abzuleiten. Dafür müssen Normen und Sicherheitsstandards, aber auch eine möglichst kostengünstige Produktionsweise berücksichtigt werden. Derartig umfassende Entwicklungskapazitäten sind heute ein gefragtes Gut.

„Zu den Menschen bei Volkswagen besteht ein starkes, gewachsenes Vertrauensverhältnis. So weiß ich, dass Italdesign in guten Händen ist.“ Giorgetto Giugiaro, Italdesign Giugiaro (Zitat)

Die meisten Menschen kennen Sie durch Ihre spektakulären Design-Entwürfe ...

20 Prozent unserer Arbeit widmen wir automobilen Träumen, Studien oder Konzeptfahrzeugen. Sie machen Schlagzeilen, weil sie Emotionen wecken. Und sie sind auch Aushängeschild und Visitenkarte unseres Unternehmens. Von mehr als 800 Mitarbeitern bei Italdesign Giugiaro arbeiten aber nur etwa 10 Prozent als Designer.

Warum haben Sie sich entschieden, Volkswagen den Zuschlag für Ihr Unternehmen zu geben?

Bei Volkswagen überlässt man nichts dem Zufall und arbeitet konsequent an der Weiterentwicklung seiner Fahrzeuge. Es zählen drei Dinge: erstens das Produkt, zweitens das Produkt und drittens das Produkt. Der Erfolg eines Automobilunternehmens hängt letztlich an den handelnden Personen, an deren Entschlossenheit und Engagement. Das Entscheidende ist der Mensch. Und die Menschen bei Volkswagen kenne ich nun schon seit über drei Jahrzehnten. Da gibt es ein starkes, gewachsenes Vertrauensverhältnis. So weiß ich, dass Italdesign in guten Händen ist.

GIORGETTO GIUGIARO
geboren 1938, zählt zu den bedeutendsten italienischen Industriedesignern. 1955 begann er als Designer bei Fiat. Nach Stationen bei Bertone und der Carozzeria Ghia gründete er 1967 ein eigenes Designstudio. Unter dem Markenzeichen „Italdesign Giugiaro“ entwarf er mehr als 200 Fahrzeuge, die in Serienproduktion gingen. „Italdesign“ leitet heute sein Sohn Fabrizio Giugiaro.

WEITERE INFORMATIONEN
www.italdesign.it

AUTOR
Dirk Maxeiner

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