Magazin

Freie Fahrt.

Einfach einsteigen und entspannt die Fahrt genießen, während das Auto selbstständig lenkt, bremst und Gas gibt. Vision einer fernen Zukunft? In der Forschung des Volkswagen Konzerns hat diese Zukunft bereits begonnen.

Freie Fahrt (Grafik)

Eine reizvolle Vorstellung: Das Auto parkt völlig selbstständig ein. Ohne Fahrer. Der ist bereits ausgestiegen und weist das Fahrzeug per Smartphone an, sich im Parkhaus einen Stellplatz zu suchen. Sind die Einkäufe getätigt, ruft man das Auto von dort wieder zurück zu sich. Dr. Burkhard Huhnke könnte sich mit einem solchen Assistenten anfreunden: Als Vater von drei Kindern kennt er nur zu gut die Unruhe auf der Rückbank, wenn die Parkplatzsuche nach Meinung der kleinen Passagiere wieder einmal zu lange dauert. Der 43-jährige Ingenieur leitet das Electronics Research Lab (ERL) der Volkswagen Konzernforschung im kalifornischen Silicon Valley. Eines der großen Themen, mit denen sich das Forschungslabor beschäftigt, ist das autonome Fahrzeug, also Autofahren ohne Fahrer.

„Noch in diesem Jahrzehnt“, so Huhnke, „könnte ein automatischer Parkassistent, der das Auto sicher durch ein Parkhaus bewegt, serienreif entwickelt werden.“ Auch einen automatischen Autobahn-Piloten hält er für denkbar. Der Fahrer könnte während der Überlandfahrt lesen, arbeiten oder sich mit dem Nachwuchs im Fond beschäftigen – das Auto übernimmt das Steuer. „Es ist technisch machbar, jedoch noch nicht serienreif“, erklärt Huhnke. Auch der Gesetzgeber steht bisher auf dem Bremspedal. Die Straßenverkehrsordnungen in den USA wie auch in Europa schreiben vor: Hände ans Lenkrad! Spezialisten der Automobilindustrie, Verkehrsexperten und Juristen sitzen aber schon an einem Tisch, um die Rahmenbedingungen für das Autofahren von morgen zu schaffen.

AUTONOM IM VERKEHR

Freie Fahrt (Grafik)

Einen Ausblick auf diese Zukunft bot „Leonie“ im Oktober 2010. Das Forschungsfahrzeug auf Basis eines Volkswagen Passat legte auf dem zweispurigen, viel befahrenen Stadtring von Braunschweig autonom eine Distanz von drei Kilometern zurück. Leonie hielt mit dem realen Verkehrsaufkommen mit: Einfädeln, Spurwechseln, Abbiegen, Einparken – das volle Programm. Eine Weltpremiere. Laser-Scanner, Radarsensoren und Satellitennavigation wiesen dem Wagen den Weg. Ein Mitfahrer, der hätte eingreifen können, war vorgeschrieben, er bekam während des Tests jedoch nichts zu tun. Das Fahrzeug wurde am Wolfsburger Standort des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik (NFF) entwickelt. Als Innovationspartner stehen dem NFF die Technische Universität Braunschweig und die Volkswagen Konzernforschung zur Seite.

Grenzen ausloten, Höchstleistung einfordern – das stand bei einem ganz anders gelagerten Experiment im Vordergrund, das ERL-Direktor Huhnke und sein Team in den USA in Angriff nahmen. 18. September 2010, US-Bundesstaat Colorado: Ein Audi TTS startet seine fahrerlose Fahrt hinauf auf den 4.300 Meter hohen Pikes Peak in den Rocky Mountains. 156 Kurven auf mehr als 20 Kilometern, ein Teil davon unbefestigte Serpentinenpiste. Leitplanken? Keine. Ein Jahr Vorarbeit steckt in diesem Projekt. Huhnke ist angespannt. Der 197 kW (265 PS) starke Audi gibt ordentlich Gas, driftet um die Kurven. Als „Steuermann“ arbeitet eine sehr präzise GPS-Navigation, die schon zwei Zentimeter Abweichung von der Ideallinie erkennt. Ginge etwas schief, das Auto würde es kaum heil überstehen. Doch der Audi bleibt in der Spur, meistert alle Unebenheiten, wirbelt gehörig Staub von den Schotterstrecken auf und erreicht den Gipfel. Vier Mal bewältigt das Audi Coupé die Strecke – ohne Störung. Der „Autonome Audi TTS“ ist ein Projekt des Volkswagen Group Automotive Innovation Laboratory (VAIL) unter der Leitung des ERL und der Stanford University, die ebenfalls im Silicon Valley beheimatet ist.

„Wir haben etwas gewagt, das es in dieser Form noch nie gab: eine autonome Fahrt unter Extrembedingungen“, so Huhnke stolz. „Dabei ging es uns nicht um die Geschwindigkeit, sondern vor allem um die Robustheit der Software.“ Einen Systemabsturz darf es beim autonomen Fahren nicht geben. Die bei diesem Projekt entwickelte neue Software-Plattform hat sich bewährt. „Wir werden sie künftig in verschiedenen Fahrzeugtypen einsetzen, sie weiter intensiv testen und verfeinern“, beschreibt Huhnke die nächsten Schritte.

nach oben
Deutsch | English
Seitenfunktionen
Download Manager
Sammeln Sie Dateien zum gemeinsamen Download.
Kennzahlenvergleich
Erstellen Sie Ihre eigene Kennzahlenübersicht.