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Katapult in die Moderne.

Der russische Automarkt boomt. Mit vollständig in Russland produzierten Fahrzeugen ist Volkswagen auf Wachstumskurs. Vladislav Cheburkov, Projektleiter in der Qualitätssicherung, führt uns durch das 2007 eröffnete Volkswagen Werk in Kaluga. Sein Auftrag lautet: kompromisslose Qualität.

Der Mann fürs Feine – Vladislav Cheburkov, Projektleiter in der Qualitätssicherung des russischen Volkswagen Werks in Kaluga. (Foto)

DER MANN FÜRS FEINE – Vladislav Cheburkov, Projektleiter in der Qualitätssicherung des russischen Volkswagen Werks in Kaluga.

Vladislav Cheburkov – Sein Auftrag lautet: kompromisslose Qualität. (Foto)

Die russische Provinzhauptstadt Kaluga liegt 160 Kilometer südwestlich von Moskau am Fluss Oka und hat etwa 350.000 Einwohner. Bei der Stadtrundfahrt gibt die Dolmetscherin Besuchern aus dem Ausland einen politisch-architektonischen Schnellkurs. Der monumentale Theaterplatz sei „Ära Stalin“. Die schnell gezimmerten Plattenbauten: „Chruschtschow“. Die freitragende Markthalle: „Breschnew“. Die dort inzwischen dargebotene Warenvielfalt: „Putin“. Das wirtschaftliche Zusammenwachsen der Weltmärkte markiert den Beginn eines neuen, von Globalisierung geprägten Zeitabschnitts: „Volkswagen“.

Im November 2007 hat Volkswagen die Automobilfabrik vor den Toren der Stadt zunächst als Montagewerk für Fahrzeugbausätze eröffnet. Heute produzieren 4.200 Beschäftigte in Vollfertigung bis zu 150.000 Fahrzeuge pro Jahr. „Volkswagen“ markiert für Kaluga ein junges Zeitalter, das der stellvertretende Provinzgouverneur Maxim Akimov in eine schlichte Zahl kleidet: „Unsere Arbeitslosenquote liegt aktuell bei gerade mal 1,1 Prozent.“

LEUCHTTURMPROJEKT „VOLKSWAGEN“

Die einstigen Schlaglochpisten sind frisch geteert, Restaurants und Bars bedienen mit einem breiten Angebot von italienischen Spezialitäten bis japanischem Sushi sämtliche Geschmäcker. Dutzende Hotels sind entstanden, die neuen Supermärkte haben sieben Tage die Woche 24 Stunden lang geöffnet. „Volkswagen“, so sagt Akimov, „ist für uns ein Leuchtturmprojekt.“ Davon angezogen, haben sich inzwischen auch weitere ausländische Autobauer und Zulieferunternehmen hier angesiedelt: „Wir werden zu einem Automobil-Cluster.“

Russland tut viel dafür, seine Wertschöpfungskette auszubauen, denn der Löwenanteil des Bruttoinlandsprodukts stammt noch immer aus der Energie- und Rohstoffbranche. Deshalb möchte die russische Gesellschaft einst stolze Industrien wie den Flugzeug-, Auto- und Schiffsbau wieder neu etablieren. Was gar nicht so einfach ist, weil das zu Zeiten der Sowjetunion geprägte Produktionsprinzip längst nicht mehr konkurrenzfähig ist.

„Bei den alten russischen Autoherstellern wurde nahezu alles unter einem Dach hergestellt, bis hin zum Scheibenwischergummi“, erläutert Dr. Walter Jürgen Schmid, bis zum Frühjahr 2010 deutscher Botschafter in Moskau. „Im modernen westlichen Automobilbau liegt die Fertigungstiefe vielleicht noch bei zehn oder 15 Prozent, alles andere kommt von externen Spezialisten.“ Schmid, der maßgeblich daran beteiligt war, den komplizierten bürokratischen Weg für deutsche Investitionen in Russland zu ebnen, erinnert sich lächelnd: „Ganz nebenbei bin ich so zum Produktionsexperten geworden.“

„Wir haben hier jetzt nicht nur neue Straßen und schöne Autos, sondern es entwickelt sich auch ein ganz neues Denken.“ Vladislav Cheburkov (Zitat)

Dabei stehen die Ansprüche der russischen Automobilkäufer denen westeuropäischer Kunden in nichts nach: Qualität ist das A und O. Bislang dominierten Importautos den russischen Markt. Schließlich hatten die Russen in der Vergangenheit mit den im Lande produzierten Fahrzeugen keine besonders guten Erfahrungen gesammelt. Das soll sich ändern: „Unser Ziel ist es ‚Made by Volkswagen in Russia‘ zum Qualitätssiegel zu machen“, so formuliert es Marcus Osegowitsch, neuer Generaldirektor der Volkswagen Group Rus. Deshalb widmet sich in Russland auch eine ganze Armada erfahrener Spezialisten der Einhaltung der Volkswagen Qualitätsstandards, die überall auf der Welt gleich hoch sind. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn im Werk Kaluga laufen vier Modelle vom gleichen Band. Neben dem Fabia und dem Octavia der Marke Škoda sind das der Volkswagen Tiguan und der neue Polo Sedan.

Der speziell auf den russischen Markt zugeschnittene Polo Sedan wird seit Mitte 2010 in Kaluga gefertigt. Vladislav Cheburkov, Projektleiter im Bereich Qualitätssicherung, hat diesen Prozess besonders intensiv begleitet. Als die ersten Fahrzeuge ausgeliefert wurden, schwärmte er mit seinen Kollegen bis in Russlands entlegenste Winkel aus, um sofort reagieren zu können, falls beim Händler oder Kunden Probleme auftauchen sollten. So verbrachte er einige Wochen in Tscheljabinsk, einer Stadt am Ural etwa 2.000 Kilometer von Kaluga entfernt. „Wir haben jeden Morgen per Videoschaltung mit den Spezialisten im Werk konferiert“, erzählt Cheburkov in fließendem Deutsch.

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