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Leicht-Athleten.

Was verbindet einen Supersportwagen von Lamborghini, eine Boeing Dreamliner und einen Callaway-Golfschläger? In allen drei findet sich der superleichte, aber dennoch extrem steife Werkstoff Carbon. Bei der Materialentwicklung arbeiten der Sportwagenhersteller, der Flugzeugbauer und das US-Unternehmen Callaway zusammen. Lamborghini setzt Kohlefaser-Werkstoffe seit fast 30 Jahren ein und zählt damit zur automobilen Leichtbau-Avantgarde.

Was verbindet einen Supersportwagen von Lamborghini, eine Boeing Dreamliner und einen Callaway-Golfschläger? In allen drei findet sich der superleichte, aber dennoch extrem steife Werkstoff Carbon. (Foto)

Dieses Frachtstück wollte er sich persönlich ansehen. Kapitän Werner Knorr, Flugbetriebsleiter bei Lufthansa und damit Chef von 5.000 Piloten mit dem Kranich auf der Schirmmütze, hat eine Menge Kerosin im Blut. Aber auch genügend Benzin, um sich bei einem Zwischenstopp auf dem norditalienischen Flughafen Bologna einen Blick auf ein ganz besonderes Auto zu gönnen. Auf dem Luftweg ist es unterwegs zu seinem zukünftigen Besitzer in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Lamborghinis neuestes Meisterstück, der Supersportwagen Aventador LP 700-41. 700 PS stark, in bester Lamborghini Tradition angetrieben von einem hochdrehenden V12-Saugmotor. Das 6,5-Liter-Aggregat ist mit 235 Kilogramm ein Leichtgewicht und begleitet akustisch eindrucksvoll jeden Auftritt des Sportwagens: mit moderatem, kehligem Grollen bei niederen Touren bis zum fauchenden Crescendo beim vollen Ausdrehen der Gänge.

An mächtige Triebwerke gewöhnt – und dennoch beeindruckt von der Leistung der Sportwagen aus Sant’Agata: Kapitän Werner Knorr, Flugbetriebsleiter und damit Chef der 5.000 Piloten bei Lufthansa. (Foto)

AN MÄCHTIGE TRIEBWERKE
GEWÖHNT – und dennoch beeindruckt
von der Leistung der Sportwagen aus
Sant’Agata: Kapitän Werner Knorr,
Flugbetriebsleiter und damit Chef der
5.000 Piloten bei Lufthansa.

Sanft dröhnend rollt er herein, wie eine moderne Skulptur nimmt er Platz in der kargen Halle. Knorr, aus Profession an mächtige Triebwerke gewöhnt, nähert sich dem in Perlglanz schimmernden Aventador LP 700-4 mit einer Mischung aus Neugierde und offenkundigem Respekt. Das Auto fasziniert den Flugzeugexperten. Er will mehr wissen: Wie wird er hergestellt? Wie schwer ist das Auto? Welche Materialien werden verwendet? Und vor allem möchte er ihn fahren. Knorr, bekennender Sportwagenfan, seinen drei Kindern zuliebe derzeit Besitzer eines geräumigen Familienautos, liebäugelt mit einem „etwas schnelleren Auto“. Ob’s auch ein Lambo werden könnte? Er sagt nicht Ja und nicht Nein. Aber es ist ihm anzusehen, dass er dieses Auto mit dem berühmten Stier-Wappen nicht aus seiner Garage schubsen würde.

LEICHTBAU-WISSENSCHAFT IN SANT’AGATA

Antworten auf seine Fragen bekommt Knorr von Luciano De Oto im 2010 gegründeten „Advanced Composites Research Center“ im Lamborghini Werk in Sant’Agata Bolognese, unweit von Bologna. Der 40-jährige Italiener zeichnete für die Entwicklung der Gesamtkarosserie des neuen Supersportlers verantwortlich, bevor er die Leitung des Entwicklungszentrums für Verbundwerkstoffe übernahm. Etwa 30 Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten hier an Konstruktions- und Produktionsmethoden, insbesondere für Komponenten aus Kohlefaser.

Es ist das sechste Element im Periodensystem: Kohlenstoff – ein Material, bei dem Flugzeugbauer und Autoingenieure gleichermaßen ins Schwärmen geraten. „Carbon ist federleicht und trotzdem extrem fest. Und jedes eingesparte Kilogramm Gewicht reduziert Verbrauch und Emissionen, in der Luft genauso wie auf der Straße“, erklärt Luciano de Oto. Kohlefaserverstärkte Kunststoffe gehören heute zu den wichtigsten Materialien, die Automobilbauer einsetzen, um die Gewichtsspirale zu kontrollieren, denn immer umfangreichere Sicherheits- und Komfortausstattungen machen die Fahrzeuge stetig schwerer. Die Extrakilos müssen an anderer Stelle abgespeckt werden – ohne Einbußen bei Sicherheit, Fahrkomfort und Dynamik. Carbonfasern machen’s möglich.

Lamborghini gilt als Pionier im Umgang mit dem superleichten Material. Bereits Anfang der Achtzigerjahre entstanden erste Prototypen mit einem Chassis aus kohlefaserverstärkten Werkstoffen. Ab 1985 wurden sie als Serienteile im legendären Modell Countach verbaut. 25 Jahre später macht der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera seinem Beinamen „Superleicht“ alle Ehre. Dank Kohlefaserteilen an der Karosserie, im Innenraum sowie in der Technik bringt er rund 70 Kilogramm weniger auf die Waage als sein Vorgänger. Auch in der Rohkarosserie des Lamborghini Murciélago, dessen Produktion im Mai 2010 nach 4.099 gebauten Exemplaren auslief, steckte bereits Carbon, alles in allem 93 Kilogramm.

„Carbon ist federleicht und trotzdem extrem fest. Und jedes eingesparte Kilogramm Gewicht reduziert Verbrauch und Emissionen, in der Luft genauso wie auf der Straße“, erklärt Luciano de Oto, Leiter des Entwicklungszentrums für Verbundwerkstoffe in Sant’Agata. (Foto)
„Kohlefaser-Verbundwerkstoffe werden den Automobilbau der Zukunft maßgeblich prägen.“ Luciano De Oto, Leiter des Lamborghini Advanced Composites Research Center (Zitat)
1 Für dieses Modell sind zurzeit noch keine verbindlichen Verbrauchs- und Emissionsangaben verfügbar.
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