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Leicht-Athleten.

LEICHTER FÜR MEHR LEISTUNG

„Die konsequente Weiterentwicklung der Kohlefaser-Technologie ist ein wichtiger Baustein in unserer Strategie“, sagt Stephan Winkelmann, Präsident und CEO von Automobili Lamborghini S.p.a., denn: „Bei Sportwagen wird die Gewichtsreduktion zum zentralen Thema, weil eine weitere Steigerung der Leistung wegen der Emissionsbeschränkungen begrenzt ist.“ Einen Ausblick auf den Leichtbau der Zukunft gab Lamborghini im Herbst 2010 auf dem Pariser Automobilsalon mit dem Technologieträger Sesto Elemento („Sechstes Element“): Mit 570 PS aus einem V10-Triebwerk und einem Gesamtgewicht von nur 999 Kilogramm erreicht er ein sensationelles Leistungsgewicht von 1,75 Kilogramm pro PS. Der Sesto Elemento steht für Hochleistung in der Leichtgewicht-Klasse – dank Kohlefaser-Materialien in der Fahrzeugstruktur, in der Karosserieaußenhaut sowie im Fahrwerk und im Antriebsstrang. Dort findet sich der superleichte Werkstoff bei Querlenkern, in der Kardanwelle und sogar in den Felgen.

Teure Zukunftsmusik für die Serienfertigung. Noch. Doch mit dem neuen Aventador LP 700-4 stellt Lamborghini einige Zukunftstechnologien schon heute auf die Straße. 1.575 Kilogramm leicht ist er. Mit einem Leistungsgewicht von 2,25 Kilogramm pro PS gibt Lamborghinis Jüngster einen neuen Rekordwert im Serien-Sportwagenbau vor. Seine Karosserie ist rund ein Drittel leichter als die des Vorgängermodells Murciélago. Die Pfunde schwanden dank der Monocoque-Passagierzelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff und einer neu entwickelten Aluminium-Rahmenstruktur, die in der Lamborghini V12-Klasse die bisher verwendete Stahlrahmenstruktur ablöst.

„Bei Sportwagen wird die Gewichtsreduktion zum zentralen Thema, weil eine weitere Steigerung der Leistung wegen der Emissionsbeschränkungen begrenzt ist.“ Stephan Winkelmann, Präsident und CEO Automobili Lamborghini (Zitat)

OB ZU LANDE ODER IN DER LUFT: JEDES KILO ZÄHLT

Leichtbau-Experte De Oto und der Lufthansa-Chefpilot sind inzwischen tief in die Welt der neuen Werkstoffe eingetaucht. Sie diskutieren Entwicklungsideen mit kohlefaserverstärkten Kunststoffen für die Straße und die Luft. Flugzeugbauer Boeing gilt als Vorreiter beim Einsatz von Carbon-Werkstoffen. Der amerikanische Hersteller plant, Kohlefaser-Verbundwerkstoffe unter anderem für Flugzeugfensterrahmen einzusetzen. Und exakt dieses Carbon-Material, das Boeing derzeit testet, hat auch Lamborghini für Karosserieteile in der Erprobung.

Einmal im Monat fliegt De Oto nach Seattle, in die Heimat von Boeing. An der dortigen Universität unterhält Lamborghini ein eigenes, kleines Labor, in dem Wissenschaftler das Verhalten von Carbon-Materialien testen – in enger Kooperation mit dem Flugzeughersteller. Lamborghini und Callaway, der US-amerikanische Golfschläger-Hersteller, berühmt für den Super-Driver „Big Bertha“, arbeiten gemeinsam an der Entwicklung neuer Kohlefaser-Verbundstrukturen. Laut De Oto konzentriert man sich auf Materialien mit mikroskopisch kleinen Kohlefaser-Bestandteilen. Die sind nicht nur sehr leicht und stabil, sondern können auch in Kleinserie wirtschaftlich hergestellt werden.

De Oto geht ins Detail, erläutert „500.000 ineinander verflochtene Fasern pro Quadratzoll“ und zeigt seinem deutschen Gast Teile aus dem neuen Werkstoff. Beide tasten, biegen und prüfen die verschiedenen Komponenten. Der neue Werkstoff werde den Automobilbau der Zukunft maßgeblich prägen, ist De Oto überzeugt. Auch weil ein neues, patentiertes Herstellungsverfahren es den Ingenieuren – bei Lamborghini wie bei Callaway – ermöglicht, bei den Carbon-Komponenten eine vorher unerreichte Präzision zu erzielen. Lamborghini beherrscht schon heute als einziger Automobilhersteller weltweit alle Produktionsschritte der Kohlefaser-Fertigung im eigenen Haus – vom 3-D-Design über Simulation, Test, Produktion und Absicherung.

Beim Leichtbau auf einer Wellenlänge – Lufthansa-Chefpilot Werner Knorr und Luciano De Oto, Leiter des Entwicklungszentrums für Verbundwerkstoffe in Sant’Agata. (Foto)

BEIM LEICHTBAU AUF EINER WELLENLÄNGE – Lufthansa-Chefpilot Werner Knorr und Luciano De Oto, Leiter des Entwicklungszentrums für Verbundwerkstoffe in Sant’Agata. Lamborghini und der Flugzeugbauer Boeing, Vorreiter beim Einsatz von Carbon-Werkstoffen im Flugzeugbau, kooperieren bei der Entwicklung von Kohlefaser-Werkstoffen.

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