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Mission Zukunft.

Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender Volkswagen Aktiengesellschaft (rechts), und ESA-Astronaut Hans Wilhelm Schlegel verbindet die Leidenschaft für wissenschaftliche Analytik verbunden mit praktischer Kompetenz. Den einen führte diese Eigenschaft in den Weltraum, den anderen an die Spitze eines Weltkonzerns. (Foto)

EINE DENKSCHULE, ZWEI WEGE – Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender Volkswagen Aktiengesellschaft (rechts), und ESA-Astronaut Hans Wilhelm Schlegel verbindet die Leidenschaft für wissenschaftliche Analytik, gepaart mit praktischer Kompetenz. Den einen führte diese Eigenschaft in den Weltraum, den anderen an die Spitze eines Weltkonzerns.

Im Folgenden sind die spannendsten Passagen des Gedankenaustauschs der beiden Männer dokumentiert – unter anderem sprachen Martin Winterkorn und Hans Wilhelm Schlegel über ...

... den Mut, sich große Ziele zu setzen:

PROF. DR. MARTIN WINTERKORN: „Man muss die Menschen mitnehmen. Die Mitarbeiter müssen an das große Ziel glauben. Ich spüre heute, dass die ganze Volkswagen Mannschaft hinter unserem vor gut drei Jahren begonnenen Wachstumsplan ‚Strategie 2018‘ steht. Das gilt für Deutschland genauso wie für unsere Fabriken in Mexiko, Brasilien oder China – überall wissen die Mitarbeiter, was wir bis 2018 schaffen wollen: Nummer eins bei Qualität und Kundenzufriedenheit sowie bester Arbeitgeber sein, über zehn Millionen Autos pro Jahr verkaufen und eine Konzernumsatzrendite vor Steuern von über acht Prozent erreichen. Dabei geht es uns nicht allein um Größe, sondern darum, der zukunftsfähigste Autokonzern der Welt zu werden. Anfangs haben manche diese Vision für zu mutig gehalten, aber wir zeigen jetzt schon, dass es machbar ist.“

„Ich spüre heute, dass die ganze Volkswagen Mannschaft hinter unserem vor gut drei Jahren begonnenen Wachstumsplan ‚Strategie 2018‘ steht.“ Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender Volkswkswagen Aktiengesellschaft (Zitat)

HANS WILHELM SCHLEGEL: „Das beste Beispiel für die Kraft großer Ziele ist die Ankündigung von US-Präsident John F. Kennedy 1961: ‚Wir Amerikaner wollen zum Mond fliegen.‘ Ein unheimlich ehrgeiziges, aber letztlich erfolgreiches Projekt, das wir heute vielleicht gar nicht mehr stemmen würden. Das nächste Ziel lautete: ‚Wir wollen eine internationale Raumstation aufbauen und betreiben.‘ Wir stehen im elften Jahr ihres Aufbaus und kurz vor der Fertigstellung. Ohne diese glasklaren Ziele hätten wir die vielen zigtausend beteiligten Menschen nicht begeistern können. Selbst die stichhaltigsten Argumente verhallen, wenn Sie vergessen, die Menschen zu motivieren, sie zu fesseln und ihnen die Logik des Vorhabens so zu vermitteln, dass sie Ihren Argumenten intuitiv folgen können.“

WINTERKORN: „Wichtig ist für mich dabei Transparenz und Kommunikation. Jedes Jahr organisieren wir in Dresden eine Management-Konferenz mit mehr als 2.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt. Da wird gefragt: Wo stehen wir? Wie weit sind wir auf dem Weg zum Ziel? Danach kennt jede Führungskraft – ob aus Shanghai oder Kaluga – den Stand der Dinge. Sie tragen die Informationen in ihre Werke, sodass am Schluss alle Mitarbeiter im Unternehmen einbezogen sind. 2005 haben wir 5,2 Millionen Autos im Jahr produziert, mittlerweile sind es rund 7,4 Millionen. Die Menschen erkennen, welche großen Fortschritte wir machen. Das weckt Begeisterung. Trotzdem dürfen wir uns keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen. Wir müssen Angreifer bleiben.“

... ihre spezifische Art, Dinge anzupacken:

WINTERKORN: „Als Naturwissenschaftler lernt man, immer noch tiefer zu bohren. Der Volkswagen Konzern ist heute so erfolgreich, weil dieses ‚Tieferbohren‘ Teil unserer Unternehmenskultur geworden ist. Das hilft uns, unsere Autos immer noch besser zu machen. Ich bin überzeugt: Ein Automobilunternehmen muss vom Produkt her geführt werden. Autonah zu sein, heißt aber nicht nur, selbst gern Auto zu fahren, sondern auch, es bis ins Detail zu verstehen. Viele Dinge in unserem Konzern funktionieren heute nur deshalb, weil wir als Vorstand so tief in allen Themen drinstecken. Wenn ein Entwickler sagt, eine Lösung sei technisch, zeitlich oder finanziell nicht möglich, dann kann ich dagegenhalten. Und das weiß jeder.“

SCHLEGEL: „Als Naturwissenschaftler sind wir nur ungern bereit, uns mit dem vorhandenen Erkenntnisstand zufriedenzugeben. Und wir sind stets darauf vorbereitet, eine Überraschung zu erleben. Man muss bei unvorhergesehenen Ereignissen immer wieder offen dafür sein, seine Lieblingstheorie auf den Prüfstand zu stellen.“

WINTERKORN: „Genau so ist es. Die Wahrscheinlichkeitstheorie sagt, wenn ein Ereignis mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten könnte, dann wird es das auch irgendwann. Als Hersteller hochkomplexer Fahrzeuge müssen wir immer mit allem rechnen, ob in der Entwicklung, Produktion oder im Service. Auch Fehlbedienungen gilt es einzukalkulieren, zum Beispiel, dass ein Kunde Bremse und Gaspedal gleichzeitig betätigt. Dann muss die Bremse gewinnen und nicht das Gaspedal. Wir verkaufen im Jahr weit über sieben Millionen Autos. Wenn sich da irgendwo ein noch so kleiner Fehler versteckt, wird er früher oder später im Fahrbetrieb auftauchen. Wir müssen ihn finden, bevor das passiert, und ihn beseitigen.“

SCHLEGEL: „Auch in der Raumfahrt bereiten wir uns sehr intensiv auf solche Sondersituationen vor. Etwa 95 Prozent des Astronautentrainings drehen sich darum. Entscheidend ist, vorausschauend zu denken und zu handeln – das ist bei Volkswagen sicherlich nicht anders. Es gilt, frühzeitig Entscheidungen auf Basis des aktuellen Kenntnisstands und der vorhandenen Ressourcen zu treffen und sich bewusst zu sein, dass fortan alle mit diesen Entscheidungen leben müssen. In der Raumfahrt kann man den Missionsablauf nicht beliebig verlängern oder verändern. ‚Always try to stay in the middle of the envelope‘, sagen die Amerikaner – ‚bleibe in der Mitte des Weges‘. Nur dann bleibt genügend Platz, um nach links oder rechts zu korrigieren.“

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