Magazin

Mission Zukunft.

... neue Technologien und ökologische Verantwortung

WINTERKORN: „Wir arbeiten intensiv daran, mit neuen Antriebskonzepten technische Grenzen auszureizen und Spielräume zu erweitern. Wir müssen unsere Mobilität und unseren Lebensstandard möglichst ökologisch organisieren. Andererseits, und da spricht vielleicht der Naturwissenschaftler in mir, gilt es auch, bestehende Grenzen zu respektieren. Große technische Entwicklungen wie serienreife Brennstoffzellen-Fahrzeuge wurden in der Vergangenheit allzu leichtfertig für die nahe Zukunft versprochen. Das Gleiche gilt für die Batterietechnologie. Ich halte es für absolut wahrscheinlich, dass alternative Antriebssysteme konkurrenzfähig zu den herkömmlichen sein werden. Nur: Wann genau das der Fall sein wird, lässt sich schwer vorhersagen. Es gilt, immer wieder zu überprüfen, was letztendlich physikalisch sinnvoll und machbar ist und zugleich ökonomisch umsetzbar. Wir gehen alle diese Themen an – und zwar jetzt und heute. Wer hätte beispielsweise vor zehn Jahren vorausgesehen, welche enormen Fortschritte die Elektronik macht?“

ESA-Astronaut Hans Wilhelm Schlegel (links) und Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender Volkswagen Aktiengesellschaft (Foto)

SCHLEGEL: „Wir müssen uns immer im Klaren darüber sein, dass der Bereich, in dem wir den kommenden Fortschritt vermuten, von unserer momentanen Sichtweise geprägt ist. Ob unsere Erwartungen dann tatsächlich eintreffen, kann niemand wirklich wissen. Vielleicht übertragen wir ja Erkenntnisse aus anderen Technologiefeldern, oder verschiedene Disziplinen wachsen unerwartet zusammen. Nehmen Sie das Beispiel Mechatronik. Hier verschmelzen mechanische, elektronische und informationstechnologische Elemente in hocheffizienten Systemen. Wir müssen offen bleiben für überraschende Lösungen.“

WINTERKORN: „Völlig richtig. Und ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich effizientere Technologien finden, um zum Beispiel die Sonnenenergie zu speichern und zu nutzen. Bei allem, was wir heute verwenden, egal ob Erdöl, Gas oder Biokraftstoffe, handelt es sich letztlich um gespeicherte Sonnenenergie. Unsere derzeitigen Energieressourcen sind endlich. Das führt ja unter anderem zum Langzeitziel in der Raumfahrt, den Mars zu besiedeln.“

„Unsere Welt ist nichts anderes als ein großes Raumschiff. Diese Sichtweise weitet den Blick für die internationale Zusammenarbeit, die erforderlich ist, um globale Probleme zu lösen.“ Hans Wilhelm Schlegel, leitender Astronaut der europäischen Weltraumorganisation ESA in Houston (Zitat)

SCHLEGEL: „Ja, genau, Energie ist das Kernproblem, obwohl prinzipiell genügend davon auf der Erde vorhanden ist. Aber wie können wir diese Energie einfangen? Ist die Infrastruktur dafür vorhanden? Da kommt auch die Gestaltungsaufgabe der Politik ins Spiel. Unsere Welt ist nichts anderes als ein großes Raumschiff, dessen Mannschaft sich auf gemeinsame Ziele einigen muß, damit diese überhaupt erreichbar werden. Diese Sichtweise weitet den Blick für die internationale Zusammenarbeit, die erforderlich ist, um globale Probleme zu lösen.“

... die Kunst, das richtige Team zu finden und zu führen:

WINTERKORN: „Wichtig ist, dass man einander vertraut, dass keine Grabenkämpfe stattfinden. Die Mitarbeiter schauen ganz genau: Können die miteinander? Sobald Spannungen spürbar werden, übertragen die sich auf alle Ebenen. Gerade in der Zusammenarbeit in einem so internationalen Konzern wie unserem sind Respekt und Teamgeist wichtige Voraussetzungen für eine konstruktive Zusammenarbeit. Es gilt, menschlich fair miteinander umzugehen, nicht beleidigend, nicht verletzend. Sachdiskussionen müssen aber durchaus scharf geführt werden. Sonst kommt man nicht zum Ziel.“

SCHLEGEL: „Wir lernen im ISS-Projekt, international zum Nutzen aller zusammenzuarbeiten. Ich persönlich hoffe, dass auch die Chinesen noch dazukommen. Letztlich braucht es für den Erfolg eine Mannschaft mit vielfältigen Talenten, die den Kompromiss dem Rechthaben vorzieht, weil es dem Produkt dient. Bei Ihnen ist das ein Auto, bei uns ist es die Mission. Die Zusammenarbeit in einem Team läuft nicht nach dem Motto ‚Einmal hat es funktioniert, jetzt funktioniert das immer.‘ Man muss stets genau verfolgen, wie der Anstoß, den man gegeben hat, umgesetzt wird. Das klingt nach Kontrolle, aber für mich ist das nichts anderes als gute Führung.“

WINTERKORN: „Wenn Dinge nicht funktionieren, obwohl alle Vorbereitungen für einen ‚runden Lauf‘ getroffen wurden, liegt der ‚Mangel‘ häufig darin, dass die Menschen, die mit der Lösung beauftragt sind, nicht miteinander auskommen. Oft ist diese menschliche Komponente der Grund dafür, dass ein Projekt entweder zum Erfolg geführt wird oder scheitert. Deshalb achten wir bei Volkswagen sehr genau auf eine konstruktive Kultur.“

... eine gewählte Strategie erfolgreich umzusetzen:

SCHLEGEL: „Eine klassische Aufgabe für einen Piloten: Er macht eine Steuereingabe und muss schnell erkennen, wie das System reagiert. Er darf dabei nicht zu lange nur auf eine Stelle schauen, sondern muss alles im Blick haben und gleich den nächsten Input geben. Und während er sich um die Feinsteuerung kümmert, muss er schon weiterdenken: Was zum Beispiel ist zu tun, falls am Zielflughafen schlechtes Wetter herrscht? Also muss er ständig kontrollieren, oder anders gesagt: ständig die Hand am Puls des Geschehens haben. Ich bewundere Manager, die das erfolgreich und fehlerlos können, weil ich weiß, wie leicht man Kleinigkeiten übersehen kann, die sich später als entscheidend erweisen.“

WINTERKORN: „Mit diesem Bild kann ich gut leben.“

WEITERE INFORMATIONEN
www.volkswagenag.de

AUTOR
Dirk Maxeiner

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