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Mit Schwung in die Zukunft.

Porsche Motorsportchef Hartmut Kristen ist stolz auf das, was seine Mannschaft in nur elf Monaten Entwicklungszeit auf die Räder gestellt hat: ein Hybrid-Rennsportfahrzeug, das einzigartig ist. (Foto)

RENNSPORT ALS WEGBEREITER

Exakt 110 Jahre nachdem Ferdinand Porsche das erste Fahrzeug mit Hybrid-Antrieb, den Lohner Porsche Semper Vivus, entwickelt hat, greift der Sportwagenhersteller dieses visionäre Antriebskonzept im seriennahen GT-Rennsport wieder auf – und beginnt so ein neues Kapitel in der überaus erfolgreichen Geschichte des 911, der in 45 Jahren mehr als 20.000 Siege einfuhr. Der Rennsport ist bei Porsche Wegbereiter für die Hybridtechnologie, die künftig in allen Baureihen zum Einsatz kommen soll. „Mit der Hybridversion des Cayenne, dem 911 GT3 R Hybrid und der Konzeptstudie 918 Spyder zeigen wir, was beim Bau sportlicher Fahrzeuge mit moderner Hybridtechnologie in Zukunft machbar sein wird: Spitzenleistungen bei extrem niedrigem Verbrauch“, so Porsche Chef Matthias Müller.

Spätestens wenn es um den elektrischen Vorderradantrieb geht, der im 911 GT3 R Hybrid Premiere feiert, geraten Fahrdynamik-Ingenieure ins Schwärmen: Während sich die Vorderräder zur Optimierung der Traktionskontrolle bisher schon einzeln abbremsen ließen, können sie nun auch getrennt voneinander beschleunigt werden. Das verhindert ein Übersteuern des Fahrzeugs und damit das Ausbrechen des Hecks. In Serie gehen wird diese Antriebstechnologie voraussichtlich 2013 im Porsche 918 Spyder in Kombination mit der Plug-in-Batterietechnologie.

„Wir erproben zukunftsweisende Hybridtechnik – unter den Extrembedingungen des Rennsports.“ Hartmut Kristen, Motorsport-Chef Porsche (Zitat)

Das neuartige Hybridsystem mit Schwungradspeicher im 911 GT3 R Hybrid wurde speziell für den Renneinsatz entwickelt. Deshalb ist es auch für den 918 RSR vorgesehen, der Rennsportvariante des 918 Spyder, die erstmals auf der Detroit Motor Show im Januar 2011 vorgestellt wurde. Das System arbeitet als Energiespeicher für die beiden Elektromotoren an der Vorderachse. Das Schwungrad kann, was Batterien nicht können: Es nimmt in Sekundenbruchteilen Energie auf und gibt sie blitzschnell wieder ab. Das Auf- und Entladen von Batterien dagegen geschieht auf Basis chemischer Prozesse – und die brauchen Zeit. Der effizientere Schwungradspeicher ist eine Maschine, deren Rotor sich bis zu 40.000 Mal pro Minute um die eigene Achse dreht und die so gewonnene Energie mechanisch speichert. Bremst der Rotor ab, wird die Energie zurückgewonnen. Ein weiterer Vorteil: Über die Boost-Wippe kann der Fahrer ein Extra an Antriebskraft aus dem Schwungrad abrufen, wodurch der Hybrid-Elfer kurzfristig zehn Stundenkilometer mehr auf den Asphalt bringt. Der einzige Wermutstropfen: Die Schwungradtechnologie eignet sich heute noch nicht für den täglichen Straßenverkehr. Denn nur, wenn oft und stark gebremst wird, erhält der Rotor ausreichend Schwung.

Motorsportchef Hartmut Kristen nennt den hybriden Rennwagen gern „race lab“, „rollendes Versuchslabor“. Es zeige eindrucksvoll, welches Potenzial in der Hybridtechnologie steckt: „Was heute im Rennsport Wirklichkeit ist, wird bald auch im Alltag auf der Straße normal sein.“ Das Motorsportteam arbeitet dafür eng mit den Kollegen im Weissacher Forschungs- und Entwicklungszentrum zusammen, das demnächst ausgebaut wird. 150 Millionen Euro investiert Porsche unter anderem in einen Hightech-Windkanal, ein neues Designzentrum und in ein zukunftsweisendes Elektronikintegrationszentrum. 100 Ingenieure werden dafür neu eingestellt.

KLEINSERIE IM VISIER

Kristen ist begeistert von dem enormen Wissenszuwachs in so kurzer Zeit. Der nächste Schritt ist nun, die Hybridtechnologie für Kleinstserien fit zu machen, zum Beispiel für den Einsatz in einer der insgesamt 19 Porsche eigenen Rennserien. Bis dahin werden die beiden existierenden Exemplare des 911 GT3 R Hybrid aber noch so manche Rennrunde drehen, so auch beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring Ende Juni 2011. Das Porsche Team setzt auf Sieg.

WEITERE INFORMATIONEN
www.porsche.com

AUTORIN

Tina Rumpelt

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